warum ist gutes olivenöl so teuer?
Olivenöl ist ein Naturprodukt und die Ernte unterliegt jedes Jahr natürlichen Schwankungen. Es wird in den meisten Teilen der Welt immer noch in mühseliger Handarbeit produziert, wobei die Ernte & Pflege der Bäume den Löwenanteil ausmachen. Schon immer war die Herstellung recht kostenintensiv, denn man braucht vor allem gute Erntehelfer und Kleinwerkzeuge, wie Netze, Schläger und Sägen, die während er Ernte häufig kaputt gehen. Ein gutes Netzwerk an Olivenöl Mühlen vor Ort zu haben, die die Früchte sofort nach der Ernte pressen (extrahieren) können und die Oliven nicht tagelang in der Sonne stehen lassen, sind unerlässlich, um ein herausragendes Olivenöl zu produzieren. Saubere und moderne Maschinen, die das Öl dann aus der Frucht extrahieren, sind genau so ein Muss. In dieser Kette will jeder etwas verdienen.
Der global player auf dem Weltmarkt
Spanien ist der weltweit größte Hersteller von Olivenöl (40% der Weltproduktion) und somit auch der Maßstab, wie sich die Preise Jahr für Jahr entwickeln. Wenn Spanien also schlechte Ernten einfährt, dann schlägt sich das unmittelbar auf alle Weltmarktpreise für Olivenöl nieder. Seit nunmehr 2 Jahren kämpft Spanien mit großen Hitzewellen und langen Trockenperioden, die selbst dem wärmeresistenten Olivenbaum zu schaffen machen.
Und seit 2 Jahren hat das Land dadurch verherrende Ernteausfälle, was bedeutet, dass selbst die Öl Einlagerungen (Ernteüberschüsse aus einer Ernte) die normalerweise im Folgejahr mit den neuen Ernten vermischt werden (Panschen), aufgebraucht sind. Und eben diese Ernteüberschüsse konnten die Preise bis vor 2 Jahren auf dem Weltmarkt relativ stabil halten, was jetzt leider nicht mehr der Fall ist, denn sie sind schlichtweg aufgebraucht.
Die kleinen Produktionen, wie die von unserer Lieferantin Athanasía zum Beispiel (15.000-20.000 Tonnen Olivenöl pro Jahr), haben so oder so keine Ernteüberschüsse, denn Sie verkaufen ihren gesamten Ertrag Jahr für Jahr. Hier wird also nichts zusammengepanscht, was bedeutet, dass ihr zur neuen Ernte 100% frisches Olivenöl von uns bekommt.
Griechenland hatte in den letzten 2 Jahren vergleichsweise gute Ernten, war aber geplagt von Bränden und Überschwemmungen. Und auch in Italien ist es inzwischen viel zu heiß. Hinzu kommt, dass die Olivenbauern dort mit dem Bakterium Xylella Fastidiosa kämpfen, welches den Olivenbaum einfach austrocknet.
Und das sind nur die Symptome, die die Ernte betreffen. Hinzu kommt die Inflation, die alle Produktionsnebenkosten wie Löhne, Verpackungen und Transporte in die Höhe treibt.
Aus diesen Gründen müssen wir leider mit weiteren Preissteigerungen im laufe des Jahres rechnen.
Chancen entstehen dennoch
Was uns all die Jahre unserer Tätigkeit gestört hat, ändert sich gerade rasant. Dumpinglöhne zwischen €30-40 pro Erntetag (8 Stunden) gehören zum Glück der Vergangenheit an. Inzwischen nimmt ein Erntehelfer pro Tag zwischen €70-100, was immer noch zu wenig ist, wenn man bedenkt, wie anstrengend es ist, Olivenbäume abzuernten. Aber immerhin.
Plötzlich ist Oliven ernten wieder total angesagt, was viele Jahre vernachlässigt wurde oder Bauern ihre Felder komplett aufgegeben haben, weil der Preis für das Olivenöl die Arbeit nicht entlohnt hat.
Dies trägt jetzt dazu bei, dass eine jahrtausendealte Tradition am Leben gehalten wird, dass Familien und Bauernverbände wieder eine gute Lebensgrundlage haben und so auch ökologische Landwirtschaft gefördert wird. Und nicht nur das: Olivenöl ist so unverzichtbar, weil es so gesund ist, in der Kulinarik vieler Länder meilentief verwurzelt ist und man so gut wie keine Alternative hat.
Es ist großartig, dass wir (und ihr) unseren Teil dazu beitragen können, kleinbäuerliche Strukturen zu unterstützen und eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern, die sowohl auf traditionelle und biologische als auch auf innovative und schonende Anbaumethoden setzt.
Das Bewusstsein für Qualität und Fairness möchten wir schärfen, denn wir müssen uns immer daran erinnern, dass hinter jedem Produkt Menschen stehen, die hart arbeiten und in hingebungsvoller Handarbeit und auf eigenes wirtschaftliches Risiko hochwertige Lebensmittel herstellen. Auch wenn diese tollen Olivenöle, Bio Bergtees, Honige oder Salzblüte nur 5 Klicks entfernt sind.
was kostet gutes olivenöl?
In diesem Artikel möchten wir euch erklären, warum unsere WILD HARVEST Olivenöle das kosten, was sie kosten. Wir führen euch durch die Pflege und Ernte der Bäumchen und klären die wichtigsten Fragen.
ab wann trägt ein olivenbaum früchte?
Erst nach 5-10 Jahren trägt ein Olivenbaum seine ersten Früchte. Nach weiteren 8-12 Jahren rentiert sich der Ertrag an Oliven für den Landwirt.
was ist ein rentabler ertrag für einen olivenbaum?
Wieviele Früchte ein Olivenbaum trägt, hängt von unterschiedlichsten Faktoren ab, wie dem Standort und der Bodenbeschaffenheit, der Olivensorte, dem Alter des Baumes, der Pflege, dem richtigen Schnitt und nicht zuletzt den klimatischen Bedingungen. Letztere stellen die bedeutendste Unsicherheit dar. Wenn es dem Baum zu trocken wird, gibt es nur wenige oder kleine Früchte. Ist es zu feucht, gibt es mehr Schädlingsbefall. Der Ölbaum kann auch Temperaturen unter 5 Grad nicht tolerieren. Außerdem ergeben Olivenbäume nur in regelmäßigen Abständen von 2 Jahren gute Erträge, was mit dem Schnitt einhergeht. Äste im Alter von 2 Jahren haben einen besonders guten Ertrag. Wenn all diese Faktoren berücksichtig werden, kann ein Olivenbaum 40-100 kg Oliven pro Jahr tragen.
wie hoch ist der ertrag von extra nativem olivenöl pro baum?
Die Koroneiki Olive hat eine Ausbeute von 10-20%. Erntet man einen Olivenbaum ab und erhält 60 kg Oliven, liegt die Ölausbeute für extra natives Olivenöl bei 6-11 Litern, je nach Erntejahr.
wie lange dauert es, einen baum per hand abzuernten?
2 erfahrene Personen benötigen etwa 20-30 Minuten, um einen Baum abzuernten.
warum wir per hand ernten:
80% der Landwirte ernten immer noch per Hand und das aus gutem Grund.
Die landschaftlichen Gegebenheiten Messeniens eignen sich kaum für eine maschinelle Ernte, da die steinige und hügelige Natur dies nicht ermöglicht. Die Olivenhaine sind oft mehrere hundert Jahre alt, was bedeutet, dass die Bäume sehr groß, stark verwachsen und knorrig sind. Eine maschinelle Ernte erfordert jedoch kleine, gerade und eher junge Olivenbäume. Die Handernte schützt zudem die Tiere im Hain wie Vögel, Frösche und Insekten. Sie ermöglicht außerdem eine bessere Kontrolle über die Qualität der Oliven und schafft mehr Arbeitsplätze.
was verdient ein erntehelfer pro tag?
Pro Tag verdient ein Erntehelfer heutzutage zwischen 70-100 Euro. Das war nicht immer so.
Noch vor 3 Jahren lagen die Arbeitslöhne bei €50-60/Tag. Mit den Folgen der Inflation und dem Klimawandel und den damit einhergehenden gestiegenen Ölpreisen können die Erntehelfer nun höhere Löhne verlangen, da auch die Ölpreise erheblich gestiegen sind. Allerdings sind die Olivenöl Erträge seit zwei Jahren auf historischen Tiefs, was den Ölpreis für den Verbraucher weiter nach oben kurbelt.
welche kosten fallen nach der ernte an?
Unmittelbar nach jedem Erntetag müssen die Oliven in die Ölmühle transportiert werden.
Dies ist besonders wichtig, damit die Oliven in den Säcken oder Kisten nicht anfangen zu gären, da es üblicherweise im Oktober & November in Griechenland noch recht warm ist. Außerdem müssen die Äste und Zweige, die während der Ernte vom Baum geschnitten werden, gehäckselt und auf den Hainen wieder ausgestreut werden. Leider ist es immer noch üblich, Äste und Zweige zu verbrennen, auch weil es viel weniger Kosten verursacht. Wir von WILD HARVEST und unsere Produzenten tun dies nicht, weil man so die Früchte und die Luft unnötig verschmutzt und die Brandgefahr insgesamt stark steigt.
In der Mühle werden die Oliven dann von kleinen Ästen und Blättern befreit und mit Wasser gewaschen. Danach werden sie gemalmt und bei unter 25 Grad zu Brei verarbeitet. Schlussendlich wird der Brei in die Zentrifuge gepumpt, wo das Öl aus dem Brei geschleudert wird. Anschliessend wird das Olivenöl in großen, luftdichten Edelstahl Tanks gelagert und nach Bedarf abgefüllt.
Die Kosten für das Extrahieren liegen bei 15-18% der Ölausbeute, denn die Ölmühlen werden mit Olivenöl bezahlt. Bei einer Ausbeute von 100 Litern berechnet die Ölmühle 15-18 Liter Olivenöl.
wie lange dauert ein "pressvorgang" in der ölmühle?
Bei 30 Olivensäcken á 60 kg (1800 kg Oliven) braucht man circa 2-4 Stunden, bis die Oliven gewaschen, gemalmt und das Olivenöl anschließend aus der Zentrifuge kalt geschleudert wird. Hier hat man eine Ausbeute von circa 180 - 330 Litern. Das Olivenöl wird dann durch ein feines Sieb gefiltert, um die Schwebstoffe zu beseitigen und in Edelstahltanks gelagert. Nach Bedarf füllen wir das Olivenöl in Kanister und Flaschen und schicken diese nach Deutschland.
Nach der Olivenöl Produktion entstehen also Kosten für die Flaschen und Kanister, die Etiketten, die Lagerung des Olivenöls vor Ort, die Abfüllung, den Transport und schließlich den Vertrieb in Deutschland.
wie kommt unser olivenöl nach deutschland?
Unser Olivenöl kommt mehrfach im Jahr per LKW nach Hamburg. Dabei entstehen Kosten für den Transport. In Hamburg angekommen, fallen wiederum Kosten für die Lagerung, für den Transport in die Läden oder direkt zu Euch nach Hause an. Die Restaurants, Einzelhändler und wir müssen dabei natürlich auch unseren Lebensunterhalt verdienen. Und am Ende kommt auf das Ganze noch die Mehrwertsteuer.
Wenn Du Dir all dies vor Augen hältst, bemerkst Du schnell, dass eine Reihe von Leuten an der Olivenernte verdienen. Also kann ein gutes und fair produziertes extra natives Olivenöl niemals weniger als zwischen €17-20 pro Liter kosten.
Mit dem Kauf unserer Produkte erwirbst Du nicht nur qualitativ hochwertige und gesunde Lebensmittel, sondern schaffst die Lebensgrundlage für viele Familien in Griechenland. Du förderst auch den Erhalt einer historischen Kulturlandschaft und die Herstellung von reinen & natürlichen Produkten.
was passiert den rest des jahres in unseren olivenhainen?
Aufgrund der hohen Brandgefahr in Griechenland müssen die Haine 1-2 Mal jährlich von Unkraut befreit werden. Auch das ist mit hohen Kosten verbunden. Ebenfalls werden die Baumstämme und Blätter mit einer weißen Schicht aus Kalk und Kupfersulfat geschützt, um Schädlinge und Krankheiten fernzuhalten. Schlussendlich werden die Bäume nach Bedarf mit natürlichem Dünger gedüngt. Hervorragend eignen sich hierzu zum Beispiel Meeresalgen, die im Herbst und Winter regelmässig an den Stränden angespült werden. Durch ihre vielen Mineralien sind sie ein wahres Superfood für unsere Bäume und so wahrt man auch den Kreislauf der Natur. Win win!